... rund um die KHG

Rechtfertigung - gute Werke

Artikelserie zu 500 Jahre Reformation - 4. und letzter Teil

 

Hörst mich nit, Jedermann?

In wenigen Wochen wird wieder das Spiel vom Sterben des reichen Mannes auf dem Salzburger Domplatz aufgeführt. Die guten Werke rufen nach Jedermann, nachdem ihn alle Welt verlassen hat. Sie bittet er, ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Nach einigen Missverständnissen wird klar, sie sind im Fall Jedermanns, der sein Leben nur mit weltlichen Dingen verbracht hat, zu schwach. Die Schwester wird gebeten zu helfen: der Glaube. Noch ein letztes Mal machen die Guten Werke deutlich, wie sie hätten wirken können: “Die hättest zu lieben angefangen. Und aufgegangen wäre dein Herz”.

Die biblische Grundlage für die guten Werke, oder Werke der Barmherzigkeit, wie sie genannt werden, liegen im Matthäusevangelium Kapitel 25, in der Rede vom Weltgericht. Dieser biblischen Grundlegung ist es zu verdanken, dass sich durch die gesamte Theologiegeschichte hindurch alle Kirchen, immer wieder daran erinnert haben, dass Diakonia neben Liturgia, und Marthyria zu den Grundfunktionen von Kirche gezählt wird.

Dr. Michaela Koller
Seelsorgerin im Wehrle-Diakonissen Krankenhaus

 

Allein aus Glauben! Und die Werke?

Die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben, nicht durch Werke – dies ist die Botschaft, welche die Reformatoren im Evangelium wiederentdeckt haben. Das Heil muss nicht verdient werden. Voraussetzung für das Heil sind nicht die guten Werke, sondern die Bereitschaft, sich Gottes Heilshandeln zu öffnen. Allein durch Glauben bin ich gerettet. Verließe ich mich auf meine bescheidenen guten Werke – ich wäre so wie Jedermann verloren.

Heißt das aber, das es gleichgültig wäre, wie ich mein Leben gestalte? Martin Luther hat auf eine Gefahr hingewiesen: Wenn ich nach guten Werken strebe, um meine eigene Seele zu retten, handle ich egoistisch, weil ich „verkrümmt in mich selber“ nur mich selbst wahrnehme, aber eben nicht den anderen. Weil ich aber von der Sorge um mein eigenes Seelenheil befreit bin, kann ich mich aufrichten, und dadurch den Nächsten und seine Not wahrnehmen und entsprechend handeln. Die Freiheit, die Gott mir schenkt, führt so zur Verantwortung für meinen Nächsten.

Mag. Olivier Dantine
Superintendent der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol

Zurück